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Mach mal Pause – 5 Tipps für eine positive Pausen-Kultur

von Lara Heller

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Die Arbeitswelt 4.0 bringt die besten Voraussetzungen für eine gute Pausen-Kultur in Unternehmen. Es geht nicht mehr um eine strikte Trennung zwischen Arbeit und Privatleben – Vereinbarkeit ist das Zauberwort. Das fühlt sich dann aber oft an, als würden wir von früh bis spät arbeiten. Als Folge fehlt es uns an Konzentration, Kreativität und Motivation. Was es braucht, ist eine gute Pausen-Kultur in Unternehmen.

Verstärkt durch Homeoffice, wo die räumliche Trennung wegfällt, findet die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit immer weniger statt. Wir sprechen deshalb nicht mehr von Work-Life-Balance, sondern von Work-Life-Integration. Es geht um Vereinbarkeit. Vereinbarkeit von Hobby und Arbeit, Kita und Büro, Selbstverwirklichung und Familie. In der Freizeit das Smartphone aus- und die Mails stumm zu schalten, sind deshalb bewusste Entscheidungen. Doch wer im Privaten erreichbar ist, soll im Gegenzug auch während den klassischen Arbeitszeiten die Möglichkeit haben, seinem Hobby nachzugehen oder das Kind früher aus der Kita zu holen. Manchmal fühlt sich diese Vereinbarkeit aber an wie ein «7 to 7 Job». Das Joggen zu priorisieren, fällt einem dann doch schwerer, wenn das Kanbanboard über dem Bürotisch überquillt. Bei einer vollen Pendenzenliste lassen wir Pausen schnell mal ganz weg, anstatt bewusste Zwischenhalte einzulegen. Dabei steigern regelmässige Pausen erwiesenermassen unsere Produktivität. Natürlich geht es nicht – wie sich manche Chef:innen heute noch sorgen – darum, weniger zu arbeiten. Sondern eben zu anderen Zeiten und selbstbestimmt.

Pausen als Teil der Unternehmenskultur

Auf einer Baustelle oder im Schulzimmer sind Pausen fix eingeplant. Die Arbeitswelt 4.0 bringt eigentlich optimale Voraussetzungen für regelmässige Pausen und eine gute Pausen-Kultur in Unternehmen. Homeoffice beispielsweise bringt den grossen Vorteil der Flexibilisierung mit sich. Mitarbeitende können ihren Tag viel individueller gestalten. Am Nachmittag den Bürotisch gegen die Yoga-Matte austauschen und dafür am Abend länger arbeiten? Oder die Nacht zum (Arbeits)tag machen? Sollte alles kein Problem mehr sein. Oder doch? Oft werden Pausen in der Unternehmenskultur (noch) nicht gelebt. Höchste Zeit also, Pausen mehr zu priorisieren und die Pausen-Kultur zu ändern.

Die perfekte Pausen-Länge

Lettische Forscher:innen des  Social Media und IT-Networks Draugiem Group haben in einer Untersuchung herausgefunden, dass Mitarbeitende, die regelmässig Pausen machen, am produktivsten sind. Und zwar nach 52 Minuten Arbeit. Gefolgt von einer 17-minütigen Pause. Dieser Rhythmus eignet sich deshalb, weil unser Gehirn eine Stunde lang Höchstleistung bringen kann. Danach braucht es eine Regeneration in Form einer Pause.

Unser Gehirn im Default Mode

Pausen sind in vielerlei Hinsicht wichtig. Hirnforscher:innen haben herausgefunden, dass das Gehirn im «Default Mode» – wenn der Mensch also ruht und keiner Tätigkeit nachgeht – die Möglichkeit bekommt, Synapsen neu zu ordnen und gelerntes zu verarbeiten. Ich erinnere mich gut daran, wie mich meine Mutter früher an die frische Luft geschickt hat «renn doch einmal ums Haus, danach klappt’s bestimmt», wenn ich mit der Ufzgi keinen Schritt weitergekommen bin oder mir nichts Neues mehr merken konnte. Ich hatte ihr dann zwar erst als Erwachsene geglaubt, aber seither setze ich Pausen sehr bewusst ein. Denn die Auswirkungen auf meine Kreativität, Konzentration und mein Wohlbefinden sind spürbar. Pausen sind auch aus weiteren Gründen wichtig.

Weshalb es Pausen braucht

  • Pausen sind Effizienz- und Motivationsbooster: Weil die Arbeit in mehrere kürzere Abschnitte gegliedert wird, wird die Motivation gesteigert. Die Zeiten zwischen den Pausen dienen als Mini-Sprints. Es hilft enorm, sich in kleinen Schritten dem Ziel zu nähern: «Bis zur 10-Uhr-Pause schaffe ich den ersten Draft des Konzeptes. Bis 11:30 schaffe ich das Konzept fertig. Nach der Mittagspause der Endschliff.» Und bis zu jeder Pause hat man einen Meilenstein geschafft und ist motiviert. Nach der Pause geht’s mit derselben Energie weiter.
  • Pausen helfen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen: Rennt man im Hamsterrad, erkennt man oft nicht, was man eigentlich braucht. Weshalb bin ich jetzt unkonzentriert und was brauche ich, damit ich mich besser konzentrieren kann? Pausen schaffen eine Atempause und ein In-sich-kehren und Horchen.
  • Pausen schaffen Raum für Reflexion: Wenn man sich keine Auszeiten schafft, fehlt die Zeit zur Reflexion. Und Reflexion ist wichtig, um künftig bewusster zu handeln, um uns unseren Stärken und Schwächen bewusst zu werden und uns folglich weiterzuentwickeln. Ob als Individuum oder als Team. Was habe ich heute alles erreicht? Was gelang mir gut, was weniger? Was habe ich gelernt und was will ich noch lernen? Pausen sind eine Mini-Retrospektive, eingebaut in den Alltag.

5 Tipps für eine gute Pausen-Kultur

Es gibt also viele Gründe, weshalb Pausen wichtig sind und vom Unternehmen oder vom Teamlead gefördert werden sollten. Hier kommen 5 Tipps, wie ihr eine positive Pausen-Kultur entwickeln könnt:

1. Erwartungen im Team klären

Teilt mit, was vom Arbeitgeber in Bezug auf Pausen erlaubt ist, was erwartet wird und findet in einem Gespräch heraus, was sich die Mitarbeitenden wünschen. Was sind ihre Bedürfnisse und was brauchen sie von euch? Nehmt euch Zeit für eine Diskussion und entwickelt eine gemeinsame Pausen-Kultur. Haltet die Regeln irgendwo fest und erinnert euch gegenseitig daran.

2. Pausen kommunizieren

Wenn die Mitarbeitenden individuell Pausen machen – das ist im Homeoffice gezwungenermassen so, weil die gemeinsame Pause wegfällt – wird es schwierig mit der Kommunikation. Wann erreicht man jemanden und wann ist die Person nicht vor dem Bildschirm, sondern auf der Yogamatte? Stellt Regeln auf. Eine Regel könnte heissen, dass Pausen im Kalender eingetragen werden und so für alle sichtbar sind. Dies bringt auch die Vorteile, selbst an die Pausen erinnert zu werden. Ein Austausch kann dank transparenter Pausen-Planung besser geplant werden. Oder schafft «No-Break-Slots» und kommuniziert das.

3. Vorbild sein

Macht selbst regelmässig Pausen. Legt euer Handy weg und checkt keine Mails. Macht einen kurzen Spaziergang ums Bürogebäude. Unterhaltet euch bewusst nicht über die Arbeit, sondern fragt nach, was die anderen privat beschäftigt. Ein Kunde von uns hat dies sogar als Pausen-Regeln eingeführt, initiiert vom CEO: In Pausen wird bei ihnen so wenig wie möglich über die Arbeit gesprochen.

4. Raum schaffen

Pausen brauchen Räume. Schafft äussere Rahmenbedingungen, die zum Pause machen einladen. Will man in einem kalten, kahlen und lautem Raum Pause machen, wo das einzige, das an Herzlichkeit erinnert, das liebliche Geräusch der Kaffeemaschine ist und einige Äpfel im Früchtekorb? Schafft Gemütlichkeit, Wärme und Platz. Vielleicht könnt ihr ein Sofa aufstellen, oder eine kleine Leseecke einrichten? Schafft Raum für Austausch und Rückzug! Macht eure positive Pausen-Kultur in der Raumgestaltung sichtbar.

5. Pseudo-Pausen weglassen

Pausenformate wie «Lunch and Learn», «Lunch-Dates» oder «Lunchlottery» sind ab und zu schön und gut. Hört aber auf, jede Pause produktiv nützen zu wollen. Pausen sind (vor allem) dafür da, kurz alles liegen zu lassen und durchzuatmen. Aufzutanken. Achtsam zu sein. Und nicht, um Pausen mit Programm zu füllen.

Fazit

Pausen steigern bewiesenermassen unsere Produktivität, sind Motivationsbooster und Reflexionsgefässe. Sie helfen uns dabei, unsere Arbeit in Mini-Sprints zu gliedern, in sich zu kehren und achtsam zu sein. Unternehmen können die Pausen-Kultur fördern, indem sie Raum schaffen, Regeln aufstellen und Pausen auch im Kalender sichtbar werden. Pausen sind da, um kurz innezuhalten oder sich mit dem Team über Privates auszutauschen – nicht, um vom Arbeitgeber mit Programm gefüllt zu werden.

Probiert einfach mal aus. Beobachtet, wie sich eure Produktivität und die der Mitarbeitenden auf die Arbeit auswirkt. Ich bin gespannt auf Feedback!

Suchst du noch mehr Inspiration, Methoden und Tools, um deine Pausen einzuplanen oder optimal zu nutzen? Here we go:

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