Future of WorkCommunity

Lebt eure Employee Community?

Community

von Anna-Luisa Kaminski

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Vor einigen Wochen haben wir mit einem Kunden den Blick in die Zukunft gewagt: Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus und wie können sie ihr HR bereits jetzt darauf vorbereiten?

Die Erkenntnis: Community Management nimmt eine zentrale Rolle ein.

Ein Eintrag aus dem Logbuch von der Expedition ins Jahr 2030

Montag, 8. März 2030, 08:00 Uhr
Mein Kühlschrank hat einen Countdown eingerichtet. Nur noch zwei Wochen bis zu den Frühlingsferien. So eine tolle Zeit! Mein Kühlschrank brüht mir einen Tee und gibt mir zudem gleich ein Update zu meinem heutigen Programm.
Diese Woche stehen einige Feedback-Gespräche an. Ich finde es toll, dass wir diese jetzt monatlich im 1:1 mit den Mitarbeitenden machen. So können wir alle viel mehr mitnehmen als bei den jährlichen Mitarbeitergesprächen. Das erste Gespräch diese Woche ist mit Luisa. Wir haben sie vor fünf Jahren als Community Managerin ins Boot geholt. Wer hätte derzeit gedacht, dass wir eine 25-Jährige so lange binden können.
Ich habe damals einen inspirierenden Artikel über eine meiner Lieblings-Tee-Marken «Samova» gelesen. Die Gründerin der Marke hatte 2002 zum «Tanztee» in einem Hamburger Hotel eingeladen, wo sie ihre selbstgemischten Tees vorstellen wollte. Es sollte eine Alternative zu den männlichen Businessclubs sein, die damals in Mode waren. Zu ihrem ersten Tanztee erschienen über 500 Personen. Dies ist viral gegangen und sie hatte eine Community, bevor sie ein wirkliches Produkt hatte. Die Tee-Community wuchs stetig und Samova schrieb vor 10 Jahren schon einen Jahresumsatz von 2 Millionen Euro. Sie hat etwas geschafft, von der viele Marken träumen: eine aktive Community.

Im damaligen Bewerbungsgespräch, welches wir schon mit einem virtuellen Rundgang in unserem Hauptsitz verbunden hatten, hat mir Luisa dann von Lego berichtet. Als Lego vor zirka 25 Jahren in der Krise steckte und die Absatzzahlen zurückgingen, haben sie ein neues Kundensegment für sich entdeckt: Erwachsene. Sie haben die Lego Ideas Community gegründet, wo auch Erwachsene ihre Konstruktionen präsentieren und Ideen einreichen konnten. Mittlerweile zählt die Community 1.5 Millionen User, die kostenfrei tausende von Ideen bei Lego einreichen. Luisa ist Teil davon und gerade geht ihr Vorschlag für ein Lego Set zu Mönch, Eiger und Jungfrau in Produktion. Die Schwarmintelligenz und die Verbundenheit in dieser internationalen Lego-Community hat sie so begeistert, dass sie sich das Community Management auf die Fahne geschrieben hat. Sie ist überzeugt: Wenn eine Marke so viele Menschen bewegen kann, dann sollte eine Arbeitgebermarke eine ebenso starke Community hervorbringen können. So ist sie nun zu uns gestossen als Community Managerin. Sie macht eine hervorragende Arbeit, unsere Talent Community ist bereits auf 8000 gewachsen, bei 3500 Mitarbeitenden. Das sind 4500 potentielle Talente. Luisa betreut unsere Community physisch und versorgt sie mit spannenden und inspirierenden Events vor Ort. Seit sie da ist, haben wir nicht nur mehr potentielle Talente, sondern auch im Durchschnitt 20 Ideen für Prozess- und Produktverbesserungen, sowie viele von den Mitarbeitenden organisierten Lunch & Learns.

Montag, 8. März 2030, 11:00 Uhr

Konrad, unser Casting Officer & Talent-Scout hat mich gerade kontaktiert – er konnte Maria, die bekannteste Online-Community Managerin im deutschsprachigen Raum für uns gewinnen. Sie hat gerade ihre Projekte mit Google abgeschlossen und wird in einem Monat bei uns starten und das Team mit Luisa komplettieren. Sie arbeitet ausschliesslich virtuell von der Côte d’Azur aus und organisiert virtuelle Kafis, Pubquiz-Abende und betreut unsere virtuelle, spielerische Onboarding-Welt. Wir haben in den letzten Monaten kaum neue Follower auf unseren Kanälen gewonnen und auch in den virtuellen Kafis lief nicht mehr viel. Maria ist definitiv ein Early Adopter von allem was neu ist und von ihrer Digitalkompetenz können wir noch einiges lernen. Mit ihr als professionelle Influencerin wird sich das bestimmt ändern und wir werden mit ihr und ihrem Background sicher mehr Moderne Nomaden und Digital Creatives ansprechen.

Montag, 8. März 2030, 15:00 Uhr

Heute Nachmittag steht ein gemeinsames Meeting mit Konrad, unserem Casting Officer & Talent-Scout und Luisa, der Community Managerin, an. Sie arbeiten eng zusammen. Konrad hat gesehen, dass einige spannende Talente ein Update auf den LinkedIn Profilen gemacht haben. Wir wollen sie zu einem unserer Community Events einladen. So können wir ihnen einen Einblick in unsere starke Community geben, die ihnen etwas bieten kann was viele Menschen suchen: Zugehörigkeit.

Zurück im Hier und Jetzt

Die Expedition und der Rückweg aus dem Jahr 2030 in das Jahr 2021 haben mich zum Nachdenken gebracht. Kunden-Communities rund um Produkte wie GoPro oder Apple sind uns vermutlich bekannt. Aber wieso sprechen wir so selten vom Community Management in der Arbeitswelt – von Employee und Talent Communities?

Eines unserer menschlichen Grundbedürfnisse ist es, sich zugehörig zu fühlen – auch am Arbeitsplatz. Das Homeoffice, die Möglichkeit auch aus dem Ausland oder aus den Bergen zu arbeiten, sowie der Einzug der Gig-Economy fördern dieses Bedürfnis nicht. Eine Community eröffnet viele Möglichkeiten für die Organisation hinsichtlich der Mitarbeiterbindung sowie -gewinnung, der internen Interaktion und des Wissenstransfers. Kurzum, der Aufbau und die Betreuung einer Talent Community kann Organisationen helfen, die Einstellungskosten (cost per hire) zu senken, die Personalplanung auf Unternehmensebene zu verbessern und das Engagement der Mitarbeitenden zu steigern. Schliesslich wissen die Mitarbeitenden selbst am besten, welche Kompetenzen und Verhalten sie im Team brauchen und wer in ihre Community passt.

 

Eine Employee Community fördert den Austausch untereinander. Wir können uns gegenseitig inspirieren, motivieren, helfen und das Gefühl der Zugehörigkeit stärken – denn eine geteilte Erfahrung und geteilte Werte verbinden. Aber seien wir ehrlich, eine Community entsteht nicht aus dem Nichts. Es steht viel Aufwand dahinter.

Eine Community ist kein Sprint, es ist ein Marathon

Was macht eine erfolgreiche Community aus:

  • Durchhaltevermögen, denn eine Beziehung entsteht nicht mal so in einigen Tagen. Für eine aktive und stabile Community sollte man mindestens ein bis zwei Jahre investieren.
  • Ein kundenzentriertes Angebot. Jeder hätte gern eine Community um sein Produkt oder seine Arbeitgebermarke. Aber wenn meine Community nicht vom Kundenwunsch her betrachtet ist, dann nützt sie diesem wenig. Was wollen meine Mitarbeitenden? Was interessiert die Talente auf dem Markt?
  • Klare, verständliche Regeln und Leitlinien, denn so entsteht ein Raum des Vertrauens, wo man Ideen, Wissen und sich selbst einbringen kann.

 

Ob die Rolle Community Manager, internal (Employer) Brand Manager oder Chef Happiness Officer heisst, ist nicht so relevant. Ein/e Community Manager übernimmt denn auch verschiedene Rollen. Er/sie ist:

  • Botschafter, für das Unternehmen und die Unternehmenskultur und vereint die verschiedenen Abteilungen und Bereiche
  • Kommunikations-Tätschmeister, und gestaltet die Interaktion, regt den Austausch an, kreiert Content und sorgt für ein hohes Engagement
  • Coach und Berater, indem er/sie Mitarbeitende begleitet, ihnen zuhört und Vertrauen in der Community aufbaut. Keiner ist ein besserer Pulsmesser und weiss, was die Mitarbeitenden bewegt.
  • Cheerleader, um auch an regnerischen Tagen der Sonnenschein zu sein, der das Positive in uns hervorbringt und uns anfeuert
  • Spiele-Macher, um uns Regeln zu geben, uns in die Interkation zu bringen und die aktiven Mitglieder zu belohnen
  • Analyst, denn sie können Aussagen zur Mitarbeiterzufriedenheit, Produktivitätsverbesserungen, Umsatzsteigerungen usw. treffen. Sie kennen die wahren Experten in einem bestimmten Bereich und kennen die transferable Skills.

Fazit zur Employee und Talent Community

Employer Branding ist top-aktuell, aber an die interne Wahrnehmung denken wir zu wenig. Wir sollten nicht bis 2030 warten, um eine starke Community um unseren Employer Brand aufzubauen. Die Mitarbeitenden sind schon heute unser wichtigstes Kapital, sie kennen und erleben uns. Heute, mitten in der Pandemie, benötigen wir das Gefühl der Zugehörigkeit mehr denn je.

 

Haben Sie schon eine aktive Community? Wir sind gespannt mehr darüber zu hören

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