Trust

«Mr. Top Gun» bringt uns Vertrauen bei

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von Klaus Gottschalk
#Team #Praxistipps #Transformation
Viel ist schon geschrieben worden über Höchstleistungen in Teams. Da kommen wir noch und wollen über Vertrauen schreiben – gähn! Aber aufgepasst, wir haben uns inspirieren lassen von Menschen, bei denen Teamwork über Leben und Tod entscheidet: Kampfjet-Piloten. Eine Übung als Plädoyer für mehr Vertrauen in unserem Geschäftsalltag.
Vor ein paar Tagen war ich an der Gennex, einer interaktiven Business-Konferenz. Mit kreativem Denken haben wir Teilnehmenden an Lösungen für die digitale Zukunft gearbeitet. Es ging um die Themen Führung, Kultur, Kreativität, Innovation und – wie könnte es heutzutage anders sein auf einer Konferenz – um Disruption. Es waren zwei spannende Tage. Deutlich zu spüren war der Wandel von «Profit» zu «Sinnhaftigkeit» in der Geschäftswelt und die Notwendigkeit, sich im schnell drehenden Umfeld immer wieder selbst herauszufordern. Nicht zu überhören war der Appell, mit Mut und Vertrauen neue Wege in der Business Transformation zu gehen.

Vertrauen als entscheidender Erfolgsfaktor

Mut lässt sich ja noch recht gut einordnen. Das mit dem Vertrauen ist aber so eine Sache. Schwierig, darüber zu schreiben – geschweige denn zu reden. Meine Erfahrung zeigt, dass das Thema «Vertrauen» in der Business-Welt ganz schnell zum Augenverdrehen führt.
An der Gennex durfte ich einem Vortrag von John Foley folgen. Er hat uns Vertrauen an etwas handfesteren Dingen veranschaulicht hat: nämlich an 22 Tonnen schweren Kampfjets. Denn John Foley war Führungspilot der Blue Angels, der Kunstflugstaffel der US Navy. Er gehörte zur Elite amerikanischer Piloten und hat Stunts in Tom Cruises Blockbuster «Top Gun» geflogen. Sein Job war: «Mach dein Team noch besser.»
Das tönt ziemlich banal. Allerdings bestand sein Team aus den Top 1 % aller Navy-Piloten – die Besten der Besten. Als John begann, Formation zu fliegen, flog er mit seinen Kollegen in einem Abstand von ca. drei Meter. Als John aufhörte, waren Flügelspitze und Cockpithaube zweier Flugzeuge nur noch hauchdünne 50 cm voneinander entfernt – bei 750 km/h. Eine Belastung an Psyche und Physis, die dem Piloten in 30 Minuten Flugshow zwei Liter Schweiss aus den Drüsen drückt. Absolute Höchstleistung.
John Foley ist überzeugt: Vertrauen ist der entscheidende Faktor, um High Performance Teams noch besser zu machen. Nicht das tägliche Training, nicht das militärische «Befehl und Gehorsam», nicht die technischen und mentalen Fertigkeiten der Piloten sind der Schlüssel. Alles wichtig, aber ausschlaggebend ist das Vertrauen.
Das tönt etwas weich, vor allem wenn ich an so hartgesottene Jet-Piloten denke. Aber 50 cm Abstand zum nächsten 22 Tonnen Stahlkoloss bei doppelter Geschwindigkeit eines Formel 1 Autos macht «Vertrauen» in den Kollegen nebendran doch deutlich konkreter, als wenn wir im HR das Thema «Vertrauen» in unseren Führungsprinzipien verschriftlichen, weil man das halt so macht.

Probieren Sie’s mal aus

Vertrauen ist für Foley der Grundstein für Weiterentwicklung von Teams zu Höchstleistungen. Seine Überzeugungen aus der Fliegerei will er nun auf Organisationen übertragen. Zusammen mit seinem Kollegen Patrick Cowden, der uns kürzlich für HR Today ein Interview zum Thema Menschlichkeit gegeben hat, lässt er uns das gleich ausprobieren – leider ohne Jet und am Boden. Die beiden zeigen uns, mit welchen Routinen die Hochleistungsteams kontinuierlich an ihrem Vertrauen schaffen.
Diese Übung über zwei Runden wollen wir Ihnen mit auf den Weg geben:
Stellen Sie sich gegenüber von Ihrem Partner auf. Verständigen Sie sich non-verbal (!), wer von Ihnen beginnt. Dann antwortet die erste Person eine Minute lang auf die zwei Fragen «Wer bin ich? Und warum bin ich hier?». Im Anschluss gibt die zweite Person der ersten Person 30 Sekunden lang positives Feedback. Dann wird gewechselt: Person 2 antwortet eine Minute lang und erhält anschliessend 30 Sekunden positives Feedback.
In Runde zwei gehen Sie genauso vor: jeder antwortet eine Minute und gibt 30 Sekunden positives Feedback. Die Frage lautet: «Was bedeutet für dich Vertrauen?»
Interessanter wird die Übung mit vier oder sechs Personen. Der Austausch zu den Fragen findet weiterhin im Dialog statt. Die Teilnehmer rotieren nach jeder Gesprächsrunde. Zwischendurch tauscht man sich in der Gruppe aus, wie man die letzte Runde wahrgenommen hat.
Wir hatten mehrere CEOs in unserer Gruppe. Und die waren recht beeindruckt. Denn einfach gesagt: Da ist keine Zeit für Bullshit-Bingo und Phrasendrescherei. Offene, ehrliche Kommunikation mit Fokus auf das Wesentliche ist gefragt. Der erste Eindruck zählt. Und so erfährt man von seinem Gegenüber in kurzer Zeit sehr viel Substantielles. So viel, dass man ein gutes Gefühl dafür bekommt, ob und wie weit man sich mit dem «Vertrauen» wagen möchte.
Nun sind Sie an der Reihe: Haben Sie den Mut zum Ausprobieren? Mit wem?
Stellen Sie sich mal vor, Ihre Geschäftsleitung macht diese Übung. John Foley wäre wohl happy, und Ihre Geschäftsleitung würde vielleicht ab sofort anders und über andere Themen diskutieren.

Fazit

Für Höchstleistungen müssen viele Dinge zusammenpassen. Je besser die Leistung wird, desto mehr rückt das Miteinander in den Vordergrund. Anreize, Ziele und Belohnungen mögen motivieren, sie sind aber nicht der Erfolgsfaktor für Aussergewöhnliches. Und wenn ein knallharter Elite-Pilot von Kampfjets «Vertrauen» ins Zentrum stellt, dann sollte das für uns im Business Ansporn sein.

Kommentare:

  • Jörg Winkelmann

    Coole Übung. Ihre Sinnhaftigkeit kann ich aus eigener Praxiserfahrung nur bestätigen. Besonders die jüngste Generation von Arbeitskräften stellt die Sinnfrage im Unternehmen oft schon bei der Einstellung und macht sie zu einer wesentlichen Bedingung für ein dauerhaftes Verbleiben im Unternehmen.Tiefes gegenseitiges Vertrauen basierend auf einem gemeinsamen Wertekodex spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wer das heute noch mit „Softfaktor“ abtut, irrt.

    14. September 2018 at 08:44
  • Klaus

    Danke Jörg. Ich fürchte, auch du machst die Erfahrung, dass noch viele irren. Also, bleiben wir dran! Gern auch mal wieder gemeinsam 😊

    19. September 2018 at 12:15

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