Open Space

HR BarCamp 2018: Inspiration auf Augenhöhe

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Von Annina Brühwiler
#Employer Branding #Praxistipps #Workshop
Konferenzen sind tot. Lang leben BarCamps. Das HR BarCamp in Zürich lebt seit vier Jahren und ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Schweizer HR-Szene. DoDifferent war dieses Jahr zum zweiten Mal dabei. Employer Branding und glückliche Mitarbeitende sind zwei der Themen, die #hrbcz18 bewegten.

„Wir sind das Gegenteil vom Schweizer Militär“, wurde gleich bei der Begrüssung der über 100 Teilnehmenden festgehalten. Die Themen der rund 35 Sessions bestimmen wir selbst, vorgegeben ist nur ein Zeitraster. „Seid ein bisschen unschweizerisch“, war die Aufforderung an uns Teilnehmende, nachdem klargestellt wurde, dass wir uns DUzen und hierarchiefrei diskutieren wollen. Wer in einer Session merkt, dass er fehl am Platz ist oder keine Inputs mehr für sich mitnehmen kann, darf „das Gesetz der zwei Füsse“ anwenden und weiterziehen. Vielleicht bleibt man dabei im Gang in einem interessanten Gespräch hängen oder schnuppert in die nächste Session rein. Dieses Event-Format ist auch unter „Open Space“ bekannt und stellt sicher, dass nur HR Themen und Trends diskutiert werden, die für die Teilnehmenden auch relevant und interessant sind. So funktioniert übrigens auch unser 24thinkpark.

Die Sessions sind so vielseitig wie die Hintergründe und Interessen der Teilnehmenden. Die Themen reichten von Arbeitgeberbewertungen und Lohnmodellen über Employer Branding, Wissensmanagement, Social Media Recruiting, Selbstverwirklichung, Agilität, Frauen in Führungspositionen und Aging Workforce bis Datenschutz und Blockchain in HR.

Happy Employees – Schaffen Sie Glücksmomente am Arbeitsplatz

Was macht glücklich? Wie kann man Glücksmomente systematisch in den Arbeitsalltag einfliessen lassen? Und welche Rolle kann das HR einnehmen? Diese Fragen, mit denen wir uns auch bei DoDifferent befassen, wollte ich in einer Session mit den Teilnehmenden besprechen. Mich überraschte der grosse Andrang für dieses „gspürschmifühlschmi“-Thema. 16 Personen wollten über das eigene Glück und das ihrer Mitarbeitenden diskutieren. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass man mit zufriedenen Mitarbeitenden mehr Geld verdient als mit unzufriedenen. Dabei geht es weit über branchengerechte Entlohnung und Fringe Benefits hinaus. Es geht vor allem um Kultur und Wertschätzung. So tauschten wir uns darüber aus, wie wir die allgemeine Stimmung und somit die Motivation der Mitarbeitenden positiv beeinflussen können.

 

  1. Glücksmomente brauchen Platz und Aufmerksamkeit im Arbeitsprozess. Dafür bieten sich Kaffeepausen, Sitzungen oder Events an. Weitere Möglichkeiten sind Kudos-Karten mit Lob, eine Fotowand mit Highlights oder Emojis und Fotos im Team-Chat.
  2. Am Montagmorgen ein kurzes „Check-In“, bei dem die Mitarbeitenden einen Ausblick mit Highlights der bevorstehenden Woche geben. Die Initiative könnte unter dem Namen „Thank god it’s Monday“ lanciert werden. Am Freitag dann ein „Check-Out“, bei dem Learnings geteilt und Erfolge gefeiert werden.
  3. Aus jährlichen Pflichtarbeiten wie Frühlingsputz, Inventur, Archiv aufräumen oder Digitalisierung von Dokumenten einen Event, ein Happening machen. Getränke und Verpflegung gemeinsam organisieren und alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Das motiviert und stärkt zudem den Teamgeist und das Wir-Gefühl.
  4. Bei längeren Projekten Etappenziele festlegen, die dann auch gemeinsam gefeiert werden. Das Ganze zu einem Spiel machen, bei dem es nach jedem erreichten Level eine Belohnung gibt – Stichwort Gamification.
  5. Allgemein: Erfolge sind zum Feiern da, seien es Team-Erfolge, individuelle oder auch private. Die Endorphin-Ausschüttung in unserem Gehirn sorgt für einen Motivationsschub und die Aussicht auf weitere solcher Glücksmomente.

 

Und was trägt HR dazu bei? Personaler sollten mit gutem Beispiel voranschreiten und Nährboden schaffen für Glücksmomente und -gefühle. Rituale einführen, Werkzeuge bereitstellen und die Mitarbeitenden dazu motivieren, davon auch Gebrauch zu machen. Gleichzeitig sollten sie den Mitarbeitenden bewusst machen, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.
 

 

Employer Branding und Recruiting im Generationenwandel

 

Welche Bedürfnisse haben die heutigen Studienabgänger? Wie erreiche ich sie? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Recruiting-Verantwortliche eines weltweit agierenden Industrieunternehmens. Kann man die Berufseinsteiger auf den verschiedenen Stufen einfach in die Schubladen „Generation X, Y und Z“ stecken? Und ist es wirklich zutreffend, dass die Yers auf der Suche nach Selbstbestimmung und Freiheit sind, während für für die Zers wieder Sicherheit und Karriere im Vordergrund steht? Die Meinungen gehen auseinander. Und die Diskussion geht vom Employer Branding zum Recruiting. In vielen Punkten sind sich die meisten Teilnehmenden einig:

  1. Online muss sein! Die Wahl des richtigen Kanals ist ebenso wichtig wie die Botschaft. Welche Kandidaten sind auf Snapchat, welche auf Tinder und welche auf Game-Portalen anzutreffen?
  2. Es ist wichtig, HR-Kompetenzen auch mal an Fachkräfte und Abteilungen abzugeben. Diese wissen besser, wo sich die Peergroup bewegt, wie sie denkt und handelt. Möchte man Gamer ansprechen, sollte man an einer LAN-Party im Kapuzenpulli und nicht mit Hemd und Krawatte auf sie zugehen.
  3. Bilden Sie Markenbotschafter aus. Motivierte Mitarbeitende, die gekonnt in ihrem Netzwerk von Spezialfachkräften für Sie als Arbeitgeber werben. Authentischer und günstiger kann Werbung nicht sein.
  4. Wer sich davor scheut, Zielgruppen zu klar zu definieren, kann den allgemeinen Zugang zu Menschen suchen. Was bewegt uns alle? „Sex und Essen“ kam als Input an der Session. Somit sind wir wieder bei Tinder für junge IT-Spezialisten. Gilt natürlich auch für angehende Bänker(innen) oder Pflegepersonal. Analog dazu beispielsweise Autobahnraststätten für LKW-Fahrer. Also bezüglich Essen.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf die richtigen Kandidaten einzugehen ist eine Herausforderung im Recruiting. Ausführliche Recherchen und die Bereitschaft, auch ausserhalb der Bürozeiten zu arbeiten, sind ein Muss. Denn wer sich als Recruiter entscheidet, mit einem privaten Profil auf Tinder zu rekrutieren, muss Mut haben und sich anpassen. Das heisst zwar nicht, dass mit Sixpack und grossem Ausschnitt geworben werden muss. Aber dass man beispielsweise zwischen 20 Uhr und Mitternacht am aktivsten ist.

Fazit

Das vierte HR BarCamp war ein voller Erfolg. Mit der grossen Bandbreite an Themen war für jeden Teilnehmenden etwas dabei und es gab mehr als genügend Gesprächsstoff für die Pausen und den Apéro. Besonders geschätzt habe ich, dass die Themen und Fragestellungen im Vordergrund standen und weniger die Person und deren Position, Unternehmen oder Agentur dahinter. Und wenn, dann nur um einem genannten Beispiel mehr Kraft zu verleihen.
Es freute mich mit anzusehen, dass trotz (oder vielleicht gerade wegen) des Wandels und der Digitalisierung der Mensch als Individuum wieder vermehrt ins Zentrum gestellt wird, seine Bedürfnisse wahrgenommen und seine Zufriedenheit unterstützt wird. Ich hoffe, dass sich bis zum nächsten Jahr der Gap zwischen Vision und Realität verkleinern wird. Und freue mich schon auf das #hrbcz19.

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