Kapitulation

#9 Die Kapitulation

LinkedIn
Twitter
Facebook
Follow by Email
RSS
Whatsapp
Von Annina Brühwiler
Ich gebe auf. Und lerne: Neue Systeme einzuführen alleine reicht nicht, sie müssen auch genutzt und gelebt werden. Aber erstmal von vorne. Als digitaler Nomade bin ich abhängig von funktionierenden Projekt-Management-Tools, orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf Daten sowie klare und kurze Kommunikationswege. Funktioniert bei DoDifferent einwandfrei, seit dem ersten Tag, egal ob im D! Headquarter in Zürich, vom Kunden oder vom Home Office aus. Weil alle dasselbe System benützen. Weil alle am selben Strick ziehen. Auch wenn die Einführung einige Zeit dauerte.
Als ich vor neun Wochen in Bali mein Praktikum als Kommunikatorin im lokalen Skatepark antrat (siehe #3 Der andere Arbeitgeber), herrschte ein Chaos, was die interne Kommunikation und Arbeitsorganisation betrifft. Aha, ich weiss doch, wie wir das lösen: Asana und Dropbox her und zack, läuft das. Es war ein gut gemeinter Ratschlag, der nicht nur mir, sondern auch dem Team die Arbeit erleichtern soll. Doch weit gefehlt. Es scheitert an der inkonsequenten Nutzung der Tools, vor allem auch durch den Chef. Anstatt auf Asana einer bestimmten Person einen klaren Auftrag mit Deadline zu geben, wird einfach mal eine Idee in den WhatsApp-Gruppenchat geworfen. Dieser wird dann – parallel zu anderen stattfindenden Diskussionen im Chat – kommentiert. Beschlüsse? Zuständigkeiten? Keine Chance, den Überblick zu behalten. Ähnlich verhält es sich mit (Bild-)Dateien. Entwirft der Grafiker einen Flyer für Facebook, stellt er ihn in den Gruppenchat. Ansonsten ist er nur auf seinem privaten PC abgespeichert. Vielleicht auch auf OneDrive. Oder Google Drive. Oder der Dropbox. Oder auf der externen Festplatte, wo die meisten Daten sind. „Weshalb nicht einfach alles in die Dropbox stellen und wir müssen nicht immer nachfragen, wo die Dateien sind?“, frage ich den Chef. „Wir wollen, dass die Mitarbeitenden anwesend sind im Büro und miteinander sprechen.“ Es stellt sich heraus, dass intern zu wenig Vertrauen vorhanden ist, dass die Mitarbeitenden auch von einem anderen Ort aus ihre Arbeit gewissenhaft erledigen. Auf der anderen Seite hat es auch mit Machtverhältnissen zu tun, wenn man ständig nachfragen muss und keinen Zugang zu Daten hat. Ein weiterer Bremser: „Wir haben das schon immer so gemacht, weshalb ändern“? Da fehlt es am Mindset, nicht an den Werkzeugen.
Mir bleibt noch eine Woche hier. Und das ist gut so. Umso mehr schätze ich nun die interne Organisation von DoDifferent. Und ich lerne, dass man niemanden zu seinem Glück zwingen kann. Das gilt auch für uns als Berater. Bisher war unsere Überzeugung: Wir können mit unseren Kunden noch so gute Employer Branding Konzepte und Tools erarbeiten – respektive ihnen einen brandneuen, potenten Ferrari vor die Türe stellen. Aber fahren müssen sie ihn immer noch selbst. Ich bin immer mehr davon überzeugt: Wir müssen einen Autopiloten bauen.

Dein Kommentar: