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Digitale Transformation: Schwimmlehrer oder Beckenrandschwimmer?

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Von Christoph Jordi
#Digitalisierung #Human Resources #Trend
Können Sie das D-Wort schon gar nicht mehr hören? Recht haben Sie! Schliesslich sind Sie längst ins Schwimmbecken der Digitalisierung reingesprungen. Doch gerade im HR reicht es nicht, ein Beckenrandschwimmer zu sein. Wir empfehlen eine Stelle als Schwimmlehrer: Bringen Sie Ihren Mitarbeitenden das digitale Schwimmen bei.
Sie haben bestimmt ein Smartphone mit elektronischer Agenda. Auf Ihrer Recruiting Plattform kann man den CV als PDF hochladen. Funktioniert reibungslos. Und dazu kommt die Einführung einer Kommunikationsplattform, mit der Sie alle Ihre Mitarbeitenden auf ihren Smartphones erreichen können. Da soll noch einer kommen mit Digitalisierung! Wir brauchen bestimmt keinen Schwimmunterricht. Das können wir längst.

Der kleine Unterschied

Digitalisierung beginnt da, wo wir bekannte analoge Prozesse in eine digitale Welt überführen. E-Mail ist das beste Beispiel dafür. Digitalisierung geht da weiter, wo wir plötzlich mehr Informationen zur Verfügung haben und Schlüsse ziehen können. Bei digitalen Stellenanzeigen wissen Sie, wie viele Leute die Anzeige gesehen oder geklickt haben. Insofern ist die Digitalisierung eigentlich ein Segen. Dinge werden einfacher, direkter, schneller. Wir haben mehr Informationen. Wir können noch bessere Entscheide fällen.

An diesem Punkt startet die digitale Transformation. Weil es die Digitalisierung gibt, können herkömmliche Geschäftsmodelle völlig auf den Kopf gestellt werden. Uber besitzt als weltweit grösstes Taxiunternehmen kein einziges Fahrzeug. Wikipedia, das weltweit grösste Lexikon, existiert in 295 Sprachen und hat nur gerade 280 feste Mitarbeitende. Airbnb ist heute einer der grössten Anbieter von Übernachtungen und besitzt kein einziges Hotel.

Die grosse Wirkung

Die digitale Transformation stellt herkömmliche Organisationsmodelle radikal in Frage. Prozesse, die wir für „gegeben“ halten, verlieren mit einem Schlag ihre Gültigkeit. Waren Shoppingcenter der Ort, wo man alles einkaufen konnte, dann gibt es heute Zalando, Galaxus oder Amazon. Zeitungen kämpfen ums Überleben. Warenhäuser müssen sich neu erfinden. Wann haben Sie das letzte Mal einen Fax losgeschickt? Ich habe noch Zeiten erlebt, als man Fax eine ziemlich coole und hochmoderne Erfindung fand.

Das unheimliche Schwimmbecken

An Orten, wo Organisationen auf den Kopf gestellt werden, wo Geschäftsmodelle hinterfragt und ganze Berufsstände hinfällig werden. Da braucht es ziemlich viel HR. Wenn wir bald keine Lokomotivführer mehr brauchen, die Kassierinnen im Supermarkt wegfallen und Sachbearbeiterjobs von intelligenteren Systemen übernommen werden. Da braucht es ziemlich sehr viel HR. Wenn es gilt, neue Kompetenzen und Fähigkeiten in der Organisation aufzubauen, neue Organisationsmodelle einzuführen und die passenden Arbeitsmodelle dazu zu liefern. Da braucht es sogar sehr sehr viel HR. Dazu kommt: Die herkömmliche Personalarbeit wird in vielen Aspekten digitalisiert werden oder sie wird mit etwas Systemunterstützung von der Linie übernommen. Das ist ein dunkles Hallenbad und kaltem Wasser. Brrr.

Neuer Schwimmstil gesucht

In einer Geschäftswelt, die unter einem enormen Veränderungsdruck steht, müssen wir alte Zöpfe abschneiden. Das jährliche Zielsetzungsgespräch erscheint in diesem Kontext ziemlich absurd. Die Idee, dass Mitarbeitende, die in verschiedensten Projekten unterwegs sind, ihr einziges offizielles Leistungsfeedback von einem Vorgesetzten erhalten, den sie kaum sehen, macht einfach keinen Sinn. Wir lassen uns von Kündigungen überraschen, obwohl das Unternehmen eigentlich genug Daten hätte, um absprunggefährdete Mitarbeitende frühzeitig zu identifizieren. Und wenn wir denken, dass sich Employer Branding mit ein paar hübschen HR Marketing Ideen erledigen lässt, dann sind wir definitiv reif für einen neuen Schwimmstil.

Schwimmlehrer statt Beckenrandschwimmer

Mitarbeitende in Transformationsprozessen suchen nach Sinn und Orientierung. Sie suchen verzweifelt einen Schwimmlehrer, der ihnen das Kraulen beibringt. Der Rückenschwumm ist ungeeignet. Der „tote Mann“ ist im kalten Wasser keine gute Wahl. Die Personalarbeiter müssen die Rolle des Schwimmlehrers übernehmen. Als Sinngeber, Wegweiser und Coach durch das Becken führen. Weil in der Transformation alles fliesst, gilt es zu kanalisieren: Was wollen wir auf dieser Welt bewegen? Woher kommen wir? Wohin wollen wir? Wie schaffen wir das? Welches Verhalten müssen wir zeigen? Welche Organisationsform ist dafür geeignet? Wie können wir unsere Teams auf Hochleistung bringen? Und dabei gemeinsam Spass haben? Welche Werkzeuge brauche ich dazu? Wie schaffen wir Kommunikations- und Feedbackschlaufen, die uns weiterbringen?

Fazit

Der Erfolg der digitalen Transformation wird im HR entschieden. Dieser Wandel wird nicht mit Prozessoptimierung gewonnen. „Kommandieren, kontrollieren, korrigieren“ ist das Rezept zum Desaster. Es geht darum, intelligente Netzwerke von Talenten zu organisieren. Talente, die ein gemeinsames Ziel haben, den Sinn ihrer Arbeit sehen, über den Tellerrand hinausdenken. Die sich nicht an Funktionen und Hierarchien klammern. Die sich flexibel in neue Situationen einbringen können. Ihnen gemeinsam sind ein Werteverständnis, die kompromisslose Kundenorientierung und die Leistungsbereitschaft. Dafür müssen wir bereit sein, den Beckenrand loszulassen. Ein Schwimmlehrer muss schwimmen können.

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