Doris Dinkel und der Zahlenhimmel

Doris Dinkel und der Zahlenhimmel

Es war 7:10 in der Früh und Doris Dinkel betrachtete sich im Badezimmerspiegel. Die blauen Haare waren lässig hochgesteckt und die Spangen waren so geschickt zwischen den Haaren verkeilt, dass es aussah, als wäre diese schicke Frisur der Normalzustand. Doris gefiel, was sie sah. So zurechtgemacht war sie in den letzten Monaten nur für Bewerbungsgespräche. Nach der erfolgreichen Bewerbungsphase hatte sie bei der Bentex unterschrieben und startete heute ihren ersten Arbeitstag. Freudig lächelte sie ihrem Spiegelbild zu. „Aber erwarte jetzt bloss nicht zu viel“, ermahnte sie sich in Gedanken. „Der erste Arbeitstag ist nie perfekt.“


Das ist die Welt von Doris Dinkel. Doris nimmt dich mit auf eine Reise durch ihren spannenden, aber auch nervenaufreibenden Berufsalltag – mit allem was dazu gehört.
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Um 7:45 Uhr betrat sie den Empfangsbereich der Bentex. Die Empfangsdame blickte beiläufig auf und erhob sich sofort, als sie Doris in der Tür stehen sah. „Hallo Doris, ich bin Tanja. Ich habe dich gleich an deinen blauen Haaren erkannt“, gab sie schmunzelnd zu. „Du hast heute deinen ersten Arbeitstag, stimmt’s? Willkommen bei uns. Sonja erwartet dich bereits in der Zahlenhölle“, erklärte sie freundlich. „Passender Name für die Finanzabteilung“, dachte Doris und sagte: „Danke, Tanja“. Sie schüttelten Hände und Doris ging auf direktem Weg in die Zahlenhölle. Dort sass Sonja, die Doris bereits vom Vorstellungsgespräch kannte, über Akten gebeugt am Schreibtisch. Sofort entspannte sich Sonjas konzentrierter Gesichtsausdruck und sie ging freudig auf Doris zu. „Habe ich doch gewusst, dass du eine Frühaufsteherin bist!“, sagte sie triumphierend. „Schau, es ist schon alles bereit“, erklärte sie mit einer ausschweifenden Geste und präsentierte Doris einen ordentlichen Schreibtisch mit Laptop, allerlei Büroutensilien wie Bostitch und Kugelschreibern sowie einem Blumenstrauss, der alle Farben des Regenbogens zu vereinen schien. „Wow!“, dachte Doris perplex und warf ihren morgendlichen Vorsatz über Bord: „Dieser Tag wird perfekt.“ Sonja entpuppte sich als Doris‘ Ansprechperson für die Einarbeitungszeit: „Ich bin deine Patin. Bei Fragen oder Bemerkungen kannst du dich immer an mich wenden. Heute werde ich dir aber auch die wichtigsten Ansprechpersonen der anderen Abteilungen vorstellen“, erklärte Sonja weiter. „Und natürlich führe ich dich in unser Buchhaltungsprogramm ein. Dies wird ein bisschen mehr Zeit als einen Tag in Anspruch nehmen, aber es ist schon alles auf deinem Laptop installiert“, fuhr sie fort und startete Doris‘ neuen Laptop. Sonja und Doris machten sich gleich daran, Doris‘ Passwörter in das System einzuspeisen und testeten die neue E-Mail-Adresse. Vertieft in die Arbeit bemerkten sie gar nicht, dass Reinhold, der Mann mit der Grimasse, plötzlich hinter ihnen stand und mit gekünstelt hoher Stimme „Gugus“ rief. Die beiden Frauen schreckten auf und lachten erleichtert, als sie Reinholds grinsendes Gesicht hinter sich erkannten. „Ich bin Reinhold. Willkommen bei uns“, sagte er. „Soll ich euch auch einen Kaffee mitbringen? Schwarz mit Zucker für Sonja, und für dich Doris?“, fragte Reinhold. „Für mich mit einem Schuss Milch aber ohne Zucker. Echt guter Service hier“, bemerkte Doris. Reinhold lächelte und kehrte bald darauf mit dem Kaffee zurück. Die drei plauderten ein bisschen, als schliesslich um 8:40 Uhr Patrick eintraf und das Finanzlerteam komplettierte. Nach einer weiteren Tasse Kaffee verabschiedeten sich Doris und Sonja und starteten den Firmenrundgang. „Ach, das hätte ich beinahe vergessen“, sagte Sonja hastig, „hier ist noch dein Firmenbatch, damit hast du jederzeit Zugang zum Gebäude. Und hier schau, das ist das Foto, welches du mit deinem Gutschein geschossen hast.“ Sonja deutete auf das Bild auf dem Batch: „Das gleiche sollte ab heute online sein“.

Nach der Vorstellungsrunde der Ansprechpersonen besuchten Doris und Sonja noch die Chefetage, wo auch Alina, mit der Doris den Bewerbungsprozess durchlaufen hatte, ihren Arbeitsplatz hatte. Danach machte sich das Finanzlerquartett auf in die nahe gelegene Pizzeria zum Mittagessen. Doris fühlte sich gut aufgehoben und war nach diesem Einstieg noch mehr davon überzeugt, dass sie den richtigen Arbeitgeber erwählt hatte – für sie hat sich die Zahlenhölle als Zahlenhimmel entpuppt.

Sorgfältig gewählte Kontaktpunkte am ersten Arbeitstag erleichtern einem neuen Mitarbeitenden den Einstieg sehr. Das Gefühl, bereits von Anfang an aufgehoben und willkommen zu sein, motiviert einen neuen Mitarbeitenden und beschleunigt die Entwicklung zu einem voll produktiven Mitglied des Teams. Wenn er weiss, an wen er welche Frage zu richten hat und diese Ansprechpersonen Offenheit signalisieren, entstehen keine unnötigen Hemmschwellen und Unklarheiten können auf direktem Weg beseitigt werden. Daher ist es unerlässlich, dass ein Arbeitgeber sich eingehend auf den Einstieg eines neuen Mitarbeitenden vorbereitet – Arbeitsgeräte, Ansprechpersonen und eine persönliche Begrüssung bewirken viel.

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